DAS NOTIZBUCH VON Carlos Lamela

Carlos Lamela - Estudio Lamela Arquitectos - Madrid, Varsovia, México y Doha

Aeropuerto de Varsovia, Center Banco Santander en Queretaro, Expo Zaragoza, Sede de Caja Badajoz, la sede de Estudio Lamela-Madrid, la T4 Barajas…

1 – Wer ist Carlos Lamela?

Ich halte mich für einen polyedrischen Architekten, ein Adjektiv, das übermäßig komplex erscheinen mag, aber das die vielen Facetten des Berufs symbolisiert. Um heute ein Architekturstudio leiten zu können – das ist meine Arbeit – ist es nötig, eine Art von Orchesterleiter zu sein, der den einzelnen Musikern einen Spielraum gibt. Diese sind sowohl interne Mitarbeiter des Studios selbst als auch die externen Mitarbeiter der unterschiedlichsten Disziplinen, auf die man zählen muss, um ein Projekt durchzuziehen.

2 – Wann haben Sie entdeckt, dass Sie Architekt werden wollten?

Architektur ist, genau wie viele Berufe wie Mediziner oder Jurist, eine vererbbare Karriere. Als Kind siehst du, was dein Vater Tag für Tag macht, denn das ist ein Beruf, bei dem man viel Arbeit mit nach Hause nimmt. Du kannst auch die Gebäude sehen und sie mit der Arbeit deines Vaters identifizieren. Man könnte sagen, dass ich die Berufung übernommen habe, fast ohne es zu merken. Nur die ersten Zweifel, die man im Alter von 8 Jahren hat, ob man nun Astronaut oder Feuerwehrmann werden will… aber es war klar, dass ich Architekt sein wollte, seit ich denken konnte.

3 – Eine Referenz in der Architektur…

Es gibt da viele, aber wenn ich mich auf die neuesten konzentriere… ich gebe immer das Beispiel von Le Corbusier, wenn ich von diesem Jahrhundert rede. Wenn wir auf die Vergangenheit zurückblicken, müssten wir über den Crystal Palace von Paxton aus dem Jahr 1850 sprechen, das war eine komplette Revolution für die moderne Architektur, weil sie beginnt, Glas und Stahl zu benutzen, ein vollkommen neues Konzept. Der Architekt Louis Sullivan aus Chicago, der Erschaffer der Wolkenkratzer, machte die Fassade von der Struktur unabhängig, das stellte eine immense Veränderung für die Architektur dar. Zurück zu Le Corbusier: er markierte ein Vorher und Nachher bei der Wohnungsarchitektur und brachte seine rationalistische Theorie bei, sie war ebenfalls sehr wichtig. Adolf Loos, ein europäischer Architekt, machte einen Schritt hin zu einer sehr schlichten Ästhetik in der Architektur. Ein weiteres herausragendes Werk ist das von Richard Neutra aus den Vereinigten Staaten. Er revolutionierte die Architektur mit seinem Konzept der klaren Linien, ein Einfluss, der sich auf die ganze Welt auswirkte. Die Oper von Sydney war eine große Revolution für die Architektur des 20. Jahrhunderts, vor allem wegen ihrer Medientranszendenz. Es gibt auch noch einige Werke von Foster aus dem vergangenen Jahrhundert… Y noch viele mehr, die ich hier aber nicht erwähnen will.

4 – Wenn nicht Architekt, was würden Sie sonst gemacht haben?

Ich habe immer gesagt, ich müsste eigentlich drei Leben leben, um in Ruhe sterben zu können (zum dritten Mal…) Das erste Leben, von dem ich schon einen Teil verbraucht habe, lebe ich als Architekt, denn es ist ein großes Glück, Teil dieser Gemeinschaft zu sein.
Das zweite und dritte Leben würde ich der Diplomatie widmen, einer Karriere, die mich immer wegen der vielen Reisen und Entdeckungen, gemischt mit menschlichen Beziehungen gereizt hat.
Das dritte Leben würde ich dem Fliegen widmen, da die Fliegerei und ihre Geschichte eine meiner großen Leidenschaften ist.
In Wirklichkeit ergänzen sich die drei Leben und sind sehr kurzweilig.

5 – Ein Fehler und eine Tugend.

Eine Tugend: vielleicht mein Optimismus und Intuition.
Ein Fehler: manchmal bin ich zu Anfang ein wenig dickköpfig, allerdings korrigiere ich das dann mit der Zeit. Manchmal habe ich Dinge auf morgen verschoben, die ich auch heute hätte erledigen können und habe das dann später bereut.

6 – Wie sieht Ihr Haus aus?

Ich lebe seit sieben Jahren in meinem jetzigen Haus, es ist Ergebnis eines einfachen und schlichten architektonischen Entwurfs, die Innenausstattung stammt von meiner Frau, auch auf einer ähnlichen Linie.
Es ist ein geräumiges Haus mit einem klassischen Designkonzept innerhalb des Rahmens einer „funktionellen oder internationalen Architektur“ des Typs „Bauhaus“, entwickelt in den dreißiger bis sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

7 – Sonntag ist ein Tag zum…

Sonntag ist für mich nur ein weiterer Wochentag. Glücklicher- oder unglücklicherweise haben wir Büros auf allen vier Kontinenten, darunter auch in Katar, deshalb ist der Sonntag nur ein weiterer Arbeitstag. Ich reise alle zwei Wochen einmal nach Doha und da ist Freitag der Feiertag.
Ich versuche eher als freie Tage freie Momente in der Woche zu finden und mich selbst zu organisieren, damit ich Beruf und Familie vereinbaren kann. Im Moment gelingt mir das recht gut.

8 – Ein Ort, an dem Sie Inspiration suchen.

Inspiration ist etwas, an das ich relativ stark glaube, denn sie ist Teil einer mystischen Theorie. Heute hat das Teamwork die Inspiration ersetzt.
Auf der anderen Seite ist das Leben unablässiges Beobachten und Lernen. In unserer so schnelllebigen Welt ist jedes Gespräch, jede Reise oder Entdeckung zuhause eine Quelle für Beobachtungen.
Und, wie sagte Picasso: Soll die Inspiration mir doch Arbeit beschaffen!

9 – Welches ist das letzte Buch, das Sie gelesen haben?

Normalerweise habe ich immer mehrere Bücher gleichzeitig offen herumliegen. Viele davon handeln von Reisen, das ist was mich im Allgemeinen seit längerem mehr interessiert.
Romane lese ich fast gar nicht und in letzter Zeit habe ich mich auf Biografien verlegt. Die letzte, die ich gelesen habe, ist die von Alexander dem Großen.

10 – in 15 Jahren…

Man muss Optimist sein – d.h. Befürworter des Optimalen -, die Ärmel hochkrempeln, mehr und effizienter arbeiten. Diese Krise, von der wir noch nicht mal das Ende sehen, muss dazu dienen, dass wir besser, stärker und effizienter werden, um Kosten für Luxus und Unnötiges zu senken, mehr zu exportieren und mit „guten“ Reichtum zu schaffen, vor allem um aus den gemachten Fehlern zu lernen und sie in Zukunft nicht zu wiederholen.

11 – Wenn Sie an Architektur denken, was geht Ihnen durch den Kopf…

Wenn ich an Architektur denke, dann denke ich an die schönste und kompletteste Karriere, die es gibt. Das ist ein gutes Kompendium von allem, was uns gefällt und umgibt. Unglücklicherweise ist es eine Disziplin, die sich nicht immer an uns als Quelle realen Lebens anpasst, aber es ist eine wunderbare Kunst und Wissenschaft.

12 – Bleistift oder PC?

Sowohl Bleistift als auch PC sind sehr nützliche Werkzeuge, aber keines davon ist unverzichtbar. Einer meiner besten Lehrer erzählte uns eines Tages, dass der beste Architekt ein Projekt durchziehen könne, ohne auch nur einen Strich zu machen, einfach nur indem er seine Gedanken offenlegt. Das ist wie bei den großen Schachspielern, die brauchen kein Schachbrett und keine Figuren zum Spielen, sie beschreiben ihre Züge und haben das ganze System im Kopf.
Heutzutage allerdings muss man Pläne mit dem PC erstellen. Etwas anderes ist, dass alles mit einem Bleistiftstrich beginnen kann.

13 – Wie würden Sie Ihre Arbeit definieren?

Meine Arbeit ist, wie ich bereits erklärt habe, eine facettenreiche und umfassende Arbeit, wie ein Orchesterleiter, ich berühre ja viele Themen: Unternehmerische, verwaltungsmäßige, Designthemen. Wenn man neben der Arbeit als Architekt auch noch ein Unternehmen leitet, dann geht das nur so. Das Problem ist normalerweise, diese verschiedenen Arbeiten gleichmäßig zu verteilen, damit eine Facette nicht die anderen unterdrückt.

14 – Ein Projekt, das Sie gern durchführen würden.

Das Gebäude, das ich noch machen möchte, ist ein sehr hoher Turm. Wolkenkratzer haben mich schon immer interessiert.
Mein Vater hatte die Gelegenheit, die Torres de Colón zu projektieren und zu bauen, eines der interessantesten Gebäude nicht nur in Spanien, sondern auf der ganzen Welt, wegen der Besonderheit eines schwebenden Gebäudes mit der höchsten Zahl an Stockwerken in einem Betonbau auf der ganzen Welt.
Momentan sanieren wir ein großes Gebäude in Brüssel. Es hat mehr als 30 Stockwerke und wird ein neues Wahrzeichen der europäischen Hauptstadt sein. Wir hoffen, in Kürze zusammen mit Foster + Partners die Sanierung des bekannten Edificio España beginnen zu können, es ist auch ein hochinteressantes Projekt für ein hohes Gebäude.

15 – Ihre Meinung über die spanische Architektur.

Die spanische Architektur ist sehr gesund hinsichtlich der Qualität ihrer Fachleute, der Lehre und der Berufspraxis.
Unglücklicherweise können wird das nicht auch vom sozio-ökonomischen Markt behaupten, und zwar wegen der Krise, die wir ja alle kennen.
Die Mehrheit der spanischen Architekten hat keine Arbeit oder ist „unterbeschäftigt“. Das ist die Situation, wegen der Zahl von Architekten mit Titeln in den letzten Jahren in unserem Land, Produkt eines wirtschaftlichen Aufschwungs auf der einen Seite und weil es ein prestigereicher Beruf ist und enormes Interesse hervorruft.
Dennoch müssen wir nach Lösungen suchen, damit dieses Problem nicht endemisch wird.
Wir Architekten müssen uns neu erfinden, unsere beruflichen Aktivitäten neu orientieren, wie es vor Jahrzehnten bereits andere nahestehende Kollektive wie die Straßenbauingenieure taten.
Bezüglich des Produkt, also des Bauwerks: es kann an allen Facetten verbessert werden, sowohl im Sinne der Erschließung als auch im Sinne der Bauqualität und des Designs.
Nur eine Minderheit der Bauten erfüllt die guten Qualitätsstandards in Bezug auf die beiden vorgenannten grundlegenden Aspekte. Ich glaube, dass die Verordnungen und Vorschriften im Allgemeinen und die Epoche einer exzessiven Immobilienentwicklung dem Durchschnitt der Qualität der Bauwerke viel Schaden zugefügt haben. Man sollte jetzt viele Dinge neu überdenken.

16 – Wie behält man seinen eigenen Stil und erfüllt gleichzeitig die Bedürfnisse der Kunden?

Der eigene Stil sollte die Qualität der Arbeit sein. Mehr als eine bestimmte Ästhetik, was ein Architekturbüro von dem anderen unterscheidet, ist die Ernsthaftigkeit, gut gemachte Dinge, Professionalität, Exzellenz, usw.
Das ist der beste Stil, um den Kunden zufriedenzustellen und damit den Nutzer und die Gesellschaft im Allgemeinen.

17 – Was fällt Ihnen bei der Architektur leicht und was schwer?

Das ist eine schwer zu beantwortende Frage, denn es handelt sich hier um einen Aspekt, der sich stetig verändert.
Aber im Allgemeinen ist das, was uns am besten liegt, die gute Arbeit mit einem guten Kunden. Und ein guter Kunde ist ein Fachmann, er weiß, was er will, vertraut seinen Technikern und gibt ihnen die geeigneten Mittel an die Hand, sowohl bezüglich Information als auch angemessene Fristen und logische Arbeitszeiten.
Was uns schwer fällt, ist die Arbeit mit schlechten Kunden, aber glücklicherweise haben wir bisher nur sehr wenige davon gehabt.

18 – Ihr Rezept für Erfolg.

Im Allgemeinen ist der Erfolg in der Architektur das Gleiche, wie ein Erfolg bei der Landwirtschaft: Man muss über ein gutes Feld mit guter Erde verfügen, es muss regnen, wenn es regnen soll, das gepflanzte Produkt muss gesund und von guter Qualität sein, die Anpflanzung muss gut behandelt bearbeitet werden.
Klar, niemand schützt uns vor Hagel und unerwartetem Frost, aber das ist eine Unwägbarkeit, die nicht in unseren Händen liegt.
Wenn man mit Dehnung, Rechtschaffenheit und Beharrlichkeit arbeitet, sind die Erfolgschancen viel größer.

19 – Welche Rolle spielen natürliche Produkte bei Ihren Projekten?

Natürliche Produkte sind normalerweise nicht besser oder schlechter. Es gibt gutes und schlechtes Naturmaterial, ebenso gute und schlechte künstliche Produkte. Der Vorteil der natürlichen Produkte ist, wenn sie gut sind, sind sie unübertroffen, mit einer Qualität, die viel besser zum Menschen passt.

20 – Ihr Star-Produkt von L’Antic Colonial ist…

Wenn ich wählen müsste, glaube ich, es wäre der Terrassenboden. Mir gefällt der Einsatz von Naturholz in Außenbereichen. Das ist ein nachhaltiges Produkt, das Wärme und Natürlichkeit in die Räume bringt. Und heute gibt es Oberflächenbehandlungen, die perfekt jedwede Wetterbedingungen aushalten.

1 Kommentar

  1. Muy buena entrevista y magnífico arquitecto Carlos Lamela. Uno de los más sólidos estudios españoles, no sólo por su trayectoria, como por su presencia internacional. Enhorabuena Sr. Lamela.

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